«Spiegel»: Bei Hackerangriff auch Brexit-Protokoll erbeutet

Hacker-Equipment: Bei der Cyber-Attacke auf das Auswärtige Amt wurde nach einem Medienbericht auch ein Protokoll der Brexit-Verhandlungen erbeutet. Foto: Jana Pape

Der monatelange Hacker-Attacke auf Datensysteme des Bundes hat die Behörden aufgeschreckt, auch wenn nur wenig Dokumente erbeutet worden sein sollen. Die Angreifer waren aber offensichtlich nicht allein auf Informationen über das deutsche Agieren in Osteuropa aus.

Bei der Cyber-Attacke auf das Auswärtige Amt haben die Hacker nach einem Medienbericht auch ein Protokoll von den Brexit-Verhandlungen der Europäischen Union mit Großbritannien erbeutet.

Es gehöre zu den mindestens sechs entwendeten Dokumenten, ebenso wie Aufzeichnungen über EU-Gespräche zur Ukraine und zu Weißrussland, berichtet der «Spiegel».

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll hinter der Attacke eine russische Hackergruppe stecken, die unter dem Namen «Snake» (deutsch: Schlange) agiert. Computerexperten sagen ihr Verbindungen zu russischen Geheimdiensten nach.

Die Bundesanwaltschaft leitete Vorermittlungen wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit gegen unbekannt ein. Nach Medienrecherchen war der Angriff offenbar Teil einer weltweiten Hacker-Attacke, von der auch Länder in Skandinavien, Südamerika und ehemalige Sowjetstaaten betroffen sein sollen.

Nichts mit einem Hackerangriff hat nach Angaben des Bundesinnenministeriums das Abschalten eines Systems zur Übermittlung von Fluggastdaten beim Bundesverwaltungsamt zu tun. Das derzeit im Rahmen einer EU-Richtlinie aufgebaute «Passenger Name Record System» (PNR) befinde sich noch in der Erprobung. Im Zuge dessen seien Belastungstests durchgeführt worden. Über die Abschaltung des Systems hatte ebenfalls der «Spiegel» berichtet.

Nach einer EU-Richtlinie zur Terrorismusbekämpfung müssen Fluggesellschaften ab Mai für jeden Passagier 20 persönliche Informationen an die Behörden leiten. Die Informationen werden fünf Jahre lang gespeichert und bei Bedarf zwischen den EU-Staaten ausgetauscht. (dpa)