Sprengstoff-Fund in Chemnitz – Bekannte des terrorverdächtigen Syrers vor dem Haftrichter

Ein ferngesteuerten Roboter zur Bombenentschärfung hebt auf einem Gleis im Chemnitzer Hauptbahnhof einen roten Koffer an. Foto: Arno Burgi

Nach dem Sprengstoff-Fund und Terror-Alarm in Chemnitz drängen sich viele Fragen auf. Wo steckt der hauptverdächtige Syrer? Trägt er Waffen bei sich? Die Ermittler erhoffen sich Aufklärung von drei festgenommenen Bekannten des Flüchtigen.

Die drei als mögliche Komplizen festgenommenen Bekannten des terrorverdächtigen Syrers sollen heute dem Haftrichter vorgeführt werden.

Gegen die syrischen Männer wird wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat (Paragraph 89a StGB) ermittelt, wie ein Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen in Dresden sagte. Es blieb zunächst unklar, ob ein Gericht in Chemnitz oder der Landeshauptstadt Dresden zuständig sein wird.

Fahndungsbild der Polizei: Im Zusammenhang mit dem bei der Durchsuchung einer Wohnung in Chemnitz gefundenen Sprengstoff sucht die Polizei einen 22-jährigen Syrer. Foto: Polizei Sachsen/dpa
Fahndungsbild der Polizei: Im Zusammenhang mit dem bei der Durchsuchung einer Wohnung in Chemnitz gefundenen Sprengstoff sucht die Polizei einen 22-jährigen Syrer. Foto: Polizei Sachsen/dpa

Die Polizei sucht in Chemnitz weiter nach dem 22-jährigen Syrer, der einen Bombenanschlag geplant haben soll. Auf den Öffentlichkeitsaufruf sind nach Polizeiangaben vom Morgen bisher mehr als 80 ernstzunehmende Hinweise eingegangen. Die Polizei machte zunächst keine Angaben, weshalb der offenkundig observierte Mann entkommen konnte. Nach dem Syrer wird auch bundesweit gefahndet.

Es ist weiterhin unklar, ob der Mann mit möglichen Kontakten zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eine Waffe oder Sprengstoff bei sich trägt. Der Hauptbahnhof in Chemnitz war am Samstag vorübergehend gesperrt worden. Auch an den beiden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld wurden am Abend die Sicherheitsvorkehrungen erhöht.

Polizeibeamte kontrollieren am Flughafen in Schönefeld ein Taxi. Nach dem Terroralarm in Chemnitz haben die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen Berlin-Schönefeld erhöht. Foto: Maurizio Gambarini
Polizeibeamte kontrollieren am Flughafen in Schönefeld ein Taxi. Nach dem Terroralarm in Chemnitz haben die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen Berlin-Schönefeld erhöht. Foto: Maurizio Gambarini

Die Polizei Sachsen hatte am Samstagnachmittag nach stundenlanger vergeblicher Suche auf Twitter mitgeteilt: «Die Fahndung nach dem Tatverdächtigen läuft. Derzeit wissen wir aber nicht, wo er sich befindet und was er bei sich trägt. Seid vorsichtig.» Auch im 260 Kilometer entfernten Berlin gingen Polizisten mit dem Fahndungsbild des Syrers auf Streife.

Spezialisten der Polizei ließen den gefundenen Sprengstoff in extra ausgehobenen Löchern kontrolliert detonieren. Foto: Polizei Sachsen/dpa
Spezialisten der Polizei ließen den gefundenen Sprengstoff in extra ausgehobenen Löchern kontrolliert detonieren. Foto: Polizei Sachsen/dpa

Bei einer Anti-Terror-Razzia hatten Polizisten in Chemnitz mehrere hundert Gramm hochexplosiver Sprengstoff in einer Wohnung gefunden. Dort hatte sich zuvor der Gesuchte aufgehalten. «Wir hoffen, es ist ein Großteil dessen, was er haben könnte», sagte der LKA-Sprecher. Das Umfeld im betroffenen Fritz-Heckert-Wohnviertel werde weiter untersucht. «Der Einsatz wird noch eine Zeit dauern.» In der Nacht konnte zumindest ein Teil der Anwohner zurück in die eigenen Wohnungen.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig dankte am Sonntagmorgen den Einsatzkräften für deren «schnelles und besonnenes Handeln in dieser brisanten Situation». «Die Gefahr für die Bevölkerung vor Ort konnte damit gebannt werden. Zusammen mit anderen Sicherheitsbehörden fahnden wir nun unter Hochdruck nach dem flüchtigen Terrorverdächtigen», sagte der CDU-Politiker.

Polizisten sichern ein Wohnhaus in Chemnitz ab. Foto: Hendrik Schmidt
Polizisten sichern ein Wohnhaus in Chemnitz ab. Foto: Hendrik Schmidt

In diesem Jahr waren bereits mehrfach Pläne für mutmaßliche Sprengstoffanschlägein Deutschland vereitelt worden. Im Februar kam die Polizei einer Gruppe auf die Schliche, die womöglich ein Sprengstoffexplosion in Berlin beabsichtigte. Im Juni nahm die Polizei drei mutmaßliche IS-Anhänger fest, die es auf die Düsseldorfer Altstadt abgesehen haben sollen. Zuletzt flog im September ein 16-jähriger Flüchtling aus Syrien in Köln auf. Nach Angaben der Ermittler hatte er einen Sprengstoffanschlag geplant und von einem Chatpartner im Ausland Anweisungen zum Bombenbau erhalten.