Nach Anschlag von Nizza Suche nach dem Tatmotiv

Der Lastwagen des Attentäters. Mindestens 84 Menschen war bei der Bluttat ums Leben gekommen. Foto: Andreas Gebert

Mit einem Lastwagen als Mordinstrument tötete ein Mann am französischen Nationalfeiertag in Nizza mindestens 84 Menschen. Doch hatte er Hintermänner oder war er ein verwirrter Einzeltäter?

Nach dem Anschlag von Nizza mit mindestens 84 Toten und über 200 Verletzten suchen die französischen Ermittler nach den Hintergründen der Bluttat. Unklar ist, ob es sich um einen Einzeltäter handelt oder ob er zu der Tat von jemand angestiftet wurde.

An der "Promenade des Anglais" trauern die Menschen um die Opfer des Attentats. Foto: Ian Langsdon
An der „Promenade des Anglais“ trauern die Menschen um die Opfer des Attentats. Foto: Ian Langsdon

Nach Aussage seines Vaters war der zum Zeitpunkt seines Todes am Donnerstagabend 31 Jahre alte Tunesier in seiner Jugend wegen psychischer Probleme ärztlich behandelt worden.

Premierminister Manuel Valls zeigte sich am Freitag überzeugt, dass er ein organisierter Islamist war, auch wenn die Ermittlungen dies noch nicht bestätigt hätten. «Das ist ein Terrorist, der ohne Zweifel auf die eine oder andere Weise mit dem radikalen Islamismus verbunden war», sagte Valls dem Sender France 2.

Innenminister Bernard Cazeneuve verneinte im Fernsehsender TF1 aber die Frage, ob man Mohamed Lahouaiej-Bouhlel bereits Verbindungen zum radikalen Islam nachweisen könne. «Wir haben hier ein Individuum, das den Geheimdiensten nicht für Aktivitäten in Verbindung mit dem radikalen Islamismus bekannt war», sagte Cazeneuve.

Das von Einschusslöchern übersäte Führerhaus des Lastwagens. Am Ende der Todesfahrt konnten Polizisten den Attentäter erschießen. Foto: Ian Langsdon
Das von Einschusslöchern übersäte Führerhaus des Lastwagens. Am Ende der Todesfahrt konnten Polizisten den Attentäter erschießen. Foto: Ian Langsdon

Der Täter, der am französischen Nationalfeiertag mit einem gemieteten Lastwagen auf dem Strandboulevard Promenade des Anglais in eine Menschenmenge gerast war und erst nach zwei Kilometern von der Polizei gestoppt und erschossen wurde, lebte nach Angaben der Staatsanwaltschaft seit vielen Jahren in Nizza. Bis Donnerstag war er nur als Kleinkrimineller aufgefallen.

Sein Vater sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass sein Sohn zwischen 2002 und 2004 auch einen Nervenzusammenbruch erlitten habe. «Er wurde cholerisch, er schrie, schlug alles kaputt, was er fand», sagte Mohamed Mondher Lahouaiej-Bouhlel an seinem Wohnort im Osten Tunesiens. Er versicherte aber, dass sein Sohn nicht religiös gewesen sei. «Er betete nicht, er fastete nicht, er trank Alkohol und nahm sogar Drogen», sagte der Vater.

Unter den Opfern sind mehrere Ausländer. Am Freitagabend wurden auch zwei Schülerinnen und eine Lehrerin der Paula-Fürst-Schule in Berlin-Charlottenburg vermisst, die in Nizza auf Klassenfahrt waren. Im Auswärtigen Amt hieß es am Abend, möglicherweise werde es noch längere Zeit dauern, bis über das Schicksal der vermissten Deutschen Klarheit besteht.

Frankreichs Präsident Hollande bei einer Rede zu Rettungskräften in Nizza. Foto: Eric Gaillard
Frankreichs Präsident Hollande bei einer Rede zu Rettungskräften in Nizza. Foto: Eric Gaillard

Am späten Freitagabend landeten zwei Flüge aus Nizza an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld. Passagiere und Angehörige wurden von Polizei und Sicherheitskräften von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Notfallseelsorger und Mitarbeiter eines Kriseninterventionsteams kümmerten sich um sie. Am Freitag waren bereits einige Berliner Schulklassen aus Nizza in die deutsche Hauptstadt zurückgekehrt. In der Stadt am Mittelmeer hatten sich Jugendliche aus zehn Berliner Schulen aufgehalten.

Die französische Nachrichtenagentur AFP meldete, unter den Toten seien auch zwei US-Amerikaner, zwei Schweizer, drei Tunesier, eine Marokkanerin, drei Algerier, eine Russin, eine Armenierin und ein Ukrainer.

24 Stunden nach dem grausamen Attentat gedachten Menschen an der Promenade des Anglais der Opfer und Hinterbliebenen. Um ein Mahnmal aus Blumen und Kerzen versammelten sich am Freitag vor Mitternacht zu Beginn der Flaniermeile die Trauernden. Die etwa 100 Menschen stimmten die Marseillaise an, Frankreichs Nationalhymne. Danach schwiegen sie. Manche wurden überwältigt von den Gefühlen, Tränen flossen.